Heimathaus

Vom Bürgerspital zum Heimathaus

Das heutige "Heimathaus Mariazell" wurde im frühen 17. Jahrhundert als "Unteres Spital - Bürgerspital" erbaut. Als soziale Einrichtung, als Spital, Armen- und Siechenhaus wurde es von der Kirche und der Gemeinde zur Versorgung der Ärmsten, die sich selbst nicht mehr helfen konnten, geschaffen. Gegenüber befand sich das "Obere Bürgerspital", in dem vor allem kranke Wallfahrer von einer Pflegerin notdürftig versorgt wurden, bis sie ihren oft sehr weiten Heimweg antreten konnten. Eine kleine Landwirtschaft erbrachte das Notwendigste an Nahrung für die Insassen, wobei Faverlsuppe, Kraut und Erdäpfel einen breiten Raum einnahmen. Fleisch gab es nur an hohen Festtagen.

In diesem Haus wurden aber auch Prozessionen zusammengestellt, um von hier - unter feierlichem Glockengeläute - singend und betend mit Fahnen und Tragemadonnen über die Wiener Straße zur Gnadenmutter von Mariazell in die Basilika einzuziehen. Die im Jubiläumsjahr 1957 durchgeführte volkskundliche Ausstellung in der alten Hauptschule Mariazell, zu der Exponate des Volkskundemuseums Graz und des Technischen Museums Wien, sowie einzelne Gegenstände aus den Beständen des aus den 30-iger Jahren stammenden "Mariazeller Bezirksmuseums" gezeigt wurden, rief die Erinnerung an dieses Museum wieder wach.

Als nach Errichtung eines moderneren Altersheimes das Armenhaus aufgelassen wurde, bot sich im Jahre 1967 dieses Haus - über die Jahre baulich unverändert - als passender Rahmen für ein Heimatmuseum an. Nun konnte das "Heimathaus Mariazell" Wirklichkeit werden. Die inzwischen entstandene Arbeitsgruppe, der neben Frau Schulrat Imma Waid, Herr Walter Arzberger, Herr Baumeister Josef Potzgruber und Herr Theodor Fluch angehörten, ging nun mit Eifer an den Ausbau. Als "Heimathaus" dokumentiert es nun in zahlreichen Schauräumen, welche sich über fünf Geschosse erstrecken, die vielfältige Geschichte von Mariazell. In verschiedene Sachgebiete gegliedert, wird den Besuchern die Geschichte der Wallfahrt zur "Mariazeller Gnadenmutter", altes Brauchtum und aussterbendes Handwerk, Alm- und Holzwirtschaft, Exponate des ehemaligen "k. u. k. Eisengusswerkes bei Mariazell", sowie historische Fotogeräte und Bilddokumentationen der Mariazeller Fotografenfamilie Kuss der letzten 150 Jahre nähergebracht. Ebenso sehenswert sind die Exponate über den Bau und die Elektrifizierung der Mariazellerbahn.

Nun bemüht sich schon die nächste Generation, die vorhandene Sammlung unser Ortsgeschichte, die in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen wurde und in liebevoller Weise im Museum des "Mariazeller Heimathauses" präsentiert wird zu erhalten, erweitern und vor allem den jüngeren Besuchern näherzubringen.

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